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Bauhaus Design


Der 1907 gegründete Deutsche Werkbund wie das 1919 gegründete Bauhaus haben nicht nur Form und Gestaltung, sondern auch unseren Geschmack nachhaltig beeinflusst. Der Werkbund hatte es sich zum Ziel gesetzt, in einer wesentlich am Profit orientierten Industriegesellschaft jedem Käuferkreis geschmacklich gute Massenerzeugnisse zugänglich zu machen. Das Bauhaus, anfangs wesentlich vom Werkbund beeinflusst, wurde zur bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert. Diese Strahlkraft reicht bis in unsere Gegenwart.
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Harkortsche Werke in Velten Vordam


Neben Hermann Harkort, dem Direktor der Steingutfabriken Velten-Vordamm – einem engagierten Verfechter von Werkbund- und Bauhausideen und Mentor junger Bauhausschüler – hatten vor allem zwei weitere Mitarbeiter aus der Bauhaus-Keramikwerkstatt großen Einfluss auf Hedwig Bollhagen: Theodor Bogler und Werner Burri. In den HB-Werkstätten in Marwitz, dem „kleinen Bauhaus“ in Brandenburg, haben beide Bauhaus Keramiker ihre Spuren hinterlassen. Noch heute werden hier in der Boglerschen Originalform seine Vorratsdosen, sowie Werner Burris Butterdose im Gießverfahren gefertigt.

Hedwig Bollhagen über sich selbst:


„Ich hatte das große Glück, direkt nach meiner Fachschulzeit 1927 in die Steingutfabrik Velten-Vordamm von Dr. Harkort eintreten zu können und eine Tätigkeit zu beginnen, die für meine ganze Arbeit... bestimmend war.“ Dankbarkeit und Begeisterung einer reflektierenden Hedwig Bollhagen. Der Direktor der Steingutfabriken, Dr. Hermann Harkort, war mit seinem Veltener Werk Mitglied im Deutschen Werkbund. Sein Credo: Er wollte die im Allgemeinen der Industrie abgeneigte Künstlerschaft für Entwürfe zur Massenherstellung von handbemaltem Steingutgeschirr gewinnen. Und zeigen, dass es auch im alltäglichen Gebrauch möglich ist, Schönheit und Freude zu vermitteln.

Der künstlerische Anspruch der Bevölkerung sollte gesteigert werden: Das ginge nur mit einer kitschbefreiten, sachlich geprägten Form, die eine Funktion zu erfüllen habe. Jedes Produkt sollte unmissverständlich zum Ausdruck bringen, wozu es produziert wurde. Funktion auf hohem qualitativem und gestalterischen Niveau. Die „Erziehung“ des Konsumenten zum guten Geschmack sollte dabei durch eine Schule für Gestalter gewährleistet werden, die nach den gleichen Prinzipien ausbildete. Das Bauhaus, gegründet im Jahr 1919 und anfangs wesentlich vom Werkbund beeinflusst, wurde in seiner nur 14-jährigen Geschichte zur bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert. Die Direktoren Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe hatten den Anspruch, Gestaltung von Grund auf neu zu denken. Eine Überzeugung, die den künstlerischen Aufbruch des Handwerks in die Moderne ermöglichte. So entstand auch das Berufsbild der künstlerischen Handwerker, der Gestalter, die wir heute Designer nennen.

Ein Brief und seine Folgen


Am 23. März 1923 machte Bauhaus-Lehrer Gerhard Marcks dem Bauhaus-Direktor Walter Gropius folgenden Vorschlag: „Für Bogler wäre eine Reise nach Velten wünschenswert ... Die Beziehung zu Velten wäre in deinem Sine des industrialisierten Bauhauses sehr zu begrüßen.“

Was für ein genialer Schachzug.


Theodor Bogler, der Avantgardist unter den Keramikern am Bauhaus, hat die herrschenden Vorstellungen über Keramik am Bauhaus geprägt. Bis heute stehen einige seiner Werke exemplarisch für die Bauhaus Keramik. In Velten erhielt Bogler erste Einblicke in die industriellen keramischen Fertigungstechniken, wozu auch das Gießverfahren gehörte. Ein gestalterischer Quantensprung. Durch die Anwendung des Gießverfahrens revolutionierte er in der Dornburger Bauhaus Werkstatt, in der bis dahin nur gedreht wurde, die Formen der Keramik. Dem Freien Drehen stand nun ein Produktionsverfahren zur Serienfertigung auch von Kannen (Henkel und Tülle wurden im Nachgang garniert und separat gepresst oder gegossen). Die Werkzeugkosten (Modell-Einrichtungs- und Formenbau) erlauben bis heute nicht jeder Keramikmanufaktur dieses Verfahren anzuwenden. Sein Vermächtnis: Er schuf Objekte für die Ewigkeit. Legendär seine drei Vorratsdosen in unterschiedlichen Größen, der Wandbehälter für Mehl und die schlanke Deckelflaschen für Essig und Öl. Nie war Küche schöner.

Das Gestaltungsprinzip seiner Küchengarnitur entwickelte Bogler in seiner wohl berühmtesten Entwurfsreihe, seiner Kombinationsteekanne, konsequent weiter. Bleibt zu erwähnen, dass der geniale Keramiker die Anregung hierzu – nach eigener Aussage – von Walter Gropius bekam. Zur angestrebten Übernahme der Kombinations-Teekanne durch die Industrie, für die sie letztendlich entworfen war, kam es jedoch nie. Es blieb bei der Herstellung von Kleinserien in der Dornburger Werkstatt. Gleichzeitig entwarf Bogler Modelle aus Steinzeug und Porzellan für seine legendäre Mokkamaschine. Wobei das Wort Maschine heutzutage etwas überzogen anmutet: Es handelte sich schlicht um eine mobile Gefäßkombination zum Erhitzen von Wasser und zum Aufgießen von Mokka bei Tisch. 1924 verließ Bogler das Bauhaus und übernahm in Velten-Vordamm die Leitung der Model- und Formwerkstatt. Bogler blieb nur zwei Jahre; Anfang 1927 trat er in die Benediktinerabtei Maria Laach ein. Er entwarf noch verschiedene Keramiken, wobei er für seine Dekore auch Formen Hedwig Bollhagens verwendete. Nach dem Konkurs der Steingutfabrik im Jahre 1931 arbeitete Bogler zwischen 1934 und 1938 zeitweise mit den HB-Werkstätten Hedwig Bollhagen in Marwitz zusammen.

Bedeutender war für Hedwig Bollhagen jedoch die Zusammenarbeit und Freundschaft mit Werner Burri, der kurz nach ihr als freier künstlerischer Mitarbeiter nach Velten kam und bis 1931 eng mit ihr zusammenarbeitete. Während er im Bauhaus noch im Schatten Boglers stand, konnte er sich in Velten frei entfalten. Er hatte nun seine eigene „Kollektion Burri“ bestehend aus Vasen und Krügen, die zum Teil heute noch im Programm sind. Bollhagen und Burri haben sich offenbar in ihrer Arbeit gegenseitig inspiriert.

In Velten kam Hedwig Bollhagen, die sich schon in ihrer Ausbildung intensiv mit Werkbund- und Bauhausideen beschäftigt hatte, ihrem Ziel näher, gut gestaltete, zweckmäßige und Gebrauchskeramik, die für Vel erschwinglich war, zu entwerfen. „Es interessierte mich sehr, Gebrauchsgeschirr zu machen, das billig in den Handel kommen konnte und dadurch dem Käufer die Möglichkeit bot, von den wirklich sehr geschmacklosen, verlogenen Geschirren die die Porzellan- und Steingutindustrie auf den Markt brachte, abzurücken,“ sagte sie. Eindeutigkeit und Klarheit und Konsequenz nicht nur in der Keramik, sondern auch in Worten. So hat die große Keramikerin Hedwig Bollhagen, die selbst nie am Bauhaus studierte, die Idee der bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst aus tiefster Überzeugung und Hingabe weitergetragen. Der Grundgedanke von Werkbund und Bauhaus – in Marwitz, etwa 300 Kilometer von der Wiege des Bauhauses entfernt, ist er noch zu spüren.