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100 Jahre Bauhaus in Brandenburg

Der 1907 gegründete Deutsche Werkbund wie das nun 100 Jahre alte Bauhaus haben nicht nur Form und Gestaltung, sondern auch unseren Geschmack nachhaltig beeinflusst. Der Werkbund hatte es sich zum Ziel gesetzt, in einer wesentlich am Profit orientierten Industriegesellschaft jedem Käuferkreis geschmacklich gute Massenerzeugnisse zugänglich zu machen. Das Bauhaus, anfangs wesentlich vom Werkbund beeinflusst, wurde zur bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert. Diese Strahlkraft reicht bis in unsere Gegenwart. In den HB-Werkstätten treffen drei grosse Namen deutscher Keramikdesign Geschichte zusammen Bogler, Burri, Bollhagen. Im Bauhaus Jubiläumsjahr veranstalten die HB-Werkstätten als Mitglied des Verbundes Bauhaus 100, dazu Ausstellungen und Vorträge. Die Veranstaltungsreihe beginnt mit der Eröffnung der Ausstellung Bogler - Das Bauhaus in Brandenburg, in den renovierten Räumen der alten Dreherei vom 25.03.- 10.11.2019. >> mehr lesen

Die Bauhausidee


Der künstlerische Anspruch der Bevölkerung sollte gesteigert werden: Das ginge nur mit einer kitschbefreiten, sachlich geprägten Form, die eine Funktion zu erfüllen habe. Jedes Produkt sollte unmissverständlich zum Ausdruck bringen, wozu es produziert wurde. Funktion auf hohem qualitativem und gestalterischen Niveau. Die „Erziehung“ des Konsumenten zum guten Geschmack sollte dabei durch eine Schule für Gestalter gewährleistet werden, die nach den gleichen Prinzipien ausbildete. Das Bauhaus, gegründet im Jahr 1919 und anfangs wesentlich vom Werkbund beeinflusst, wurde in seiner nur 14-jährigen Geschichte zur bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert. Die Direktoren Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe hatten den Anspruch, Gestaltung von Grund auf neu zu denken. Eine Überzeugung, die den künstlerischen Aufbruch des Handwerks in die Moderne ermöglichte. So entstand auch das Berufsbild der künstlerischen Handwerker, der Gestalter, die wir heute Designer nennen.

Bogler, Bauhaus, Baukasten


Theodor Bogler, der ursprünglich Architekt werden wollte, dann aber eine Töpferausbildung in der Bauhaus Werkstatt Marstall absolvierte, stand in enger Verbindung zu den HB-Werkstätten in Marwitz. In der Dornburger Werkstatt entwickelte er nach seiner Ausbildung durch Gerhard Marks und Max Krehan die sogenannte Kombinationsteekanne. Er wandte damit erstmalig das von Walter Gropius entwickelte Baukastensystem des Bauhauses, in der Keramik an. Dabei sollen auf der Grundlage fest definierter Formteile durch verschiedene Kombinationen neue Entwürfe entstehen.

Die Kombinationsteekanne

Im Falle der Teekanne Theodor Boglers sind aus den gleichen Bauteilen 4 verschieden Varianten entstanden. Basis hierfür war eine Vorratsdose die zunächst durch Freidrehen auf der Töpferscheibe entstand und durch zerschneiden und verputzen im noch lederharten Zustand den Korpus bildete. Weitere Formteile wie Aufhänger, Tülle und Henkel die angarniert wurden, bildeten dann eine Teekanne.

Das Musterhaus am Horn


Für die erste Bauhaus Ausstellung 1923 in Weimar entwarf und baute Gerhard Muche das Musterhaus am Horn. Für die dafür erstmalig entwickelte Einbauküche wurde Bogler beauftragt Vorratsdosen zu entwickeln. Als Grundlage diente ihm die Dornburger Vorratsdose, die er für die Serienfertigung im Schlickergießverfahren transformierte. Dazu wurden Gießformen entwickelt, die die vom Bauhaus proklamierte industrialisierte Serienfertigung ermöglichten.

Harkortsche Werke Velten-Vordamm


In den Steingutfabriken Velten-Vordamm die sich in Fussnähe der HB-Werkstätten befanden gingen diese Vorratsdosen dann 1924 in Serie und wurden Teil deutscher Designgeschichte. Nach Insolvenz der Harkortschen Werke in Velten fanden viele der ehemaligen Bauhäusler in den HB Werkstätten, eine neue Aufgabe und dort wurden und werden noch heute nach den originalen Formen die Keramiken weiter produziert. Hervorgegangen waren die HB Werkstätten aus den Hael Werkstätten (Inh. Margarete Heymann-Loebenstein), die 1933 aufgrund von Verlusten in Folge der Weltwirtschaftskrise und von Denunziation die Insolvenz der Werkstätten anmeldete und den Betrieb stilllegte.

Bogler, Burri, Bollhagen


1924 verließ Bogler das Bauhaus und übernahm in Velten-Vordamm die Leitung der Model- und Formwerkstatt. Bogler blieb nur zwei Jahre; Anfang 1927 trat er in die Benediktinerabtei Maria Laach ein. Er entwarf noch verschiedene Keramiken, wobei er für seine Dekore auch Formen Hedwig Bollhagens verwendete. Nach dem Konkurs der Steingutfabrik im Jahre 1931 arbeitete Bogler zwischen 1934 und 1938 fèr seinen Verlag "ars liturgica" mit den HB-Werkstätten und Hedwig Bollhagen in Marwitz zusammen.

Bedeutender war für Hedwig Bollhagen jedoch die Zusammenarbeit und Freundschaft mit Werner Burri, der kurz nach ihr als freier künstlerischer Mitarbeiter nach Velten kam und bis 1931 eng mit ihr zusammenarbeitete. Während er im Bauhaus noch im Schatten Boglers stand, konnte er sich in Velten frei entfalten. Er hatte nun seine eigene „Kollektion Burri“ bestehend aus Vasen und Krügen, die zum Teil heute noch im Programm sind. Bollhagen und Burri haben sich in ihrer Arbeit gegenseitig inspiriert.

In Velten kam Hedwig Bollhagen, die sich schon in ihrer Ausbildung intensiv mit Werkbund- und Bauhausideen beschäftigt hatte, ihrem Ziel näher, gut gestaltete, zweckmäßige Gebrauchskeramik, die für Viele erschwinglich war, zu entwerfen. „Es interessierte mich sehr, Gebrauchsgeschirr zu machen, das billig in den Handel kommen konnte und dadurch dem Käufer die Möglichkeit bot, von den wirklich sehr geschmacklosen, verlogenen Geschirren die die Porzellan- und Steingutindustrie auf den Markt brachte, abzurücken“ sagte sie. Eindeutigkeit, Klarheit und Konsequenz nicht nur in der Keramik, sondern auch in Worten. So hat die große Keramikerin Hedwig Bollhagen, die selbst nie am Bauhaus studierte, die Idee der bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst aus tiefster Überzeugung und Hingabe weitergetragen. Der Grundgedanke von Werkbund und Bauhaus ist in Marwitz nach wie vor zu spüren.

Boglersche Vorratsgefäße


In den Marwitzer HB - Werkstätten werden die Boglerschen Vorratsdosen nach Originalformen und im Schlickergießverfahren in Handarbeit hergestellt.

Die Ausstellung in deren alten Freidreherei macht den Wandel vom «Freidrehen» zum «Gießverfahren» deutlich. Dabei wird das Giessverfahren anhand von Produktionsschritten erklärt, darüber hinaus wird die Entstehung der Teekanne Model S41, die Bogler für Velten Vordamm entwickelte, gezeigt. Im Anschluss an die Ausstellung bieten die HBW einen Rundgang durch die historischen Werkstätten an. Die Ausstellung veranstaltet der HBW Kunsthandwerk e.V. Marwitz.




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